October 7 will forever remain one of the most tragic days in the history of both Israel and Palestine. The massacre of civilians perpetrated by Hamas on that day cannot be justified under any circumstances. The deliberate killing and abduction of civilians cannot be legitimised by reference to political objectives, historical grievances or the conditions in which the conflict has developed. Nor can the leadership of Hamas, which bears responsibility for such acts, be regarded as a legitimate representative of the Palestinian people. For many years, Hamas has subjected the population of Gaza to its ideological and religious agenda, with devastating consequences for Palestinian society itself.
At the same time, the events of October 7 cannot be understood in isolation from the broader history of the Israeli-Palestinian conflict: decades of occupation, dispossession, settlement policies, displacement and the denial of fundamental political rights have created a situation of profound and enduring injustice. Recognising this context does not in any way justify the deliberate targeting of civilians. But it does mean recognising that prolonged occupation and the absence of a credible political perspective inevitably create conditions in which resistance emerges. Such resistance may take violent forms, as has tragically been the case throughout the history of the conflict. Understanding the political and historical roots of such violence is not the same as legitimising every act committed in its name. The distinction is essential: resistance cannot justify the deliberate killing of civilians, just as the security concerns of one side cannot justify violations of the fundamental rights of the other.
At the same time, the Israeli government has responded to the October 7 attacks with a military campaign and policies that have caused immense suffering among the Palestinian civilian population. Whatever the legitimate security concerns of Israel, the right to self-defence is not unlimited and must be exercised within the framework of international humanitarian law. The scale and nature of the conduct of the war have therefore raised serious concerns regarding possible violations of international law, including allegations of war crimes. These concerns are compounded by developments in the West Bank, including settlement expansion, dispossession and policies and actions contributing to the displacement of Palestinians.
In confronting this reality, we must retain empathy and compassion for all those affected by war, terrorism and political violence, irrespective of their nationality, religion or political affiliation. The suffering and loss experienced by Israeli and Palestinian civilians are equally deserving of recognition, dignity and compassion. There can be no hierarchy of human suffering.
Conscious of its own history and responsibility — from colonialism to the Holocaust — Europe must take a principled stand against terrorism, antisemitism, persecution, occupation, forced displacement and the denial of fundamental human rights. Europe must unequivocally uphold the right of Jews to live in safety and dignity and oppose antisemitism wherever it occurs. At the same time, Europe must continue to recognise the State of Israel and its right to exist in security, while also recognising that lasting security cannot be achieved through military power alone.
Equally, Europe must firmly uphold the right of the Palestinian people to live in safety, dignity and freedom, and to exercise their right to self-determination. These principles must not be understood as mutually exclusive. For Europe, there can be no either-or: the security, freedom and human rights of Israelis and Palestinians must be affirmed together. The “Never Again” proclaimed after the Second World War must be understood as a universal commitment — one that applies to all human beings, without exception.
A peaceful and sustainable future for the Middle East requires an end to violence, occupation and the denial of fundamental rights. It requires the full recognition and protection of human rights and international law for all. It requires political solutions that address the legitimate security concerns and aspirations of both peoples, as well as a genuine willingness to engage in honest and meaningful negotiations. The ultimate goal must be to enable Israelis and Palestinians alike to live in freedom, dignity and security, with a safe and secure home.
Such a clear, values-based position should not only guide the decisions and actions of public institutions; it should also inform academic research and public discourse. Political and emotional engagement is legitimate and necessary, but it must remain grounded in respect for human rights, international law and the dignity of every human being. Institutions like the IIP in particular have a responsibility to preserve space for critical, evidence-based and open debate, including debate about the historical and political causes of violence, while rejecting hatred, dehumanisation and the deliberate targeting of civilians.
The IIP seeks to orient its work consistently towards these principles and values.
Der 7. Oktober wird für immer als einer der tragischsten Tage in der Geschichte Israels und Palästinas in Erinnerung bleiben. Das an diesem Tag von der Hamas verübte Massaker an Zivilistinnen und Zivilisten ist unter keinen Umständen zu rechtfertigen. Die vorsätzliche Tötung und Entführung von Zivilpersonen kann weder mit politischen Zielen noch mit historischen Erfahrungen oder den Bedingungen, unter denen sich der Konflikt entwickelt hat, legitimiert werden. Auch die Führung der Hamas, die für solche Taten Verantwortung trägt, kann nicht als legitime Vertretung des palästinensischen Volkes angesehen werden. Seit vielen Jahren setzt die Hamas ihre ideologische und religiöse Agenda gegenüber der Bevölkerung des Gazastreifens durch – mit verheerenden Folgen auch für die palästinensische Gesellschaft selbst.
Gleichzeitig lassen sich die Ereignisse des 7. Oktober nicht losgelöst von der Geschichte des israelisch-palästinensischen Konflikts verstehen. Jahrzehnte der Besatzung, Enteignung, Siedlungspolitik und Vertreibung sowie die Verweigerung grundlegender politischer Rechte haben eine Situation tiefgreifender und anhaltender Ungerechtigkeit hervorgebracht. Die Anerkennung dieses historischen und politischen Kontextes bedeutet in keiner Weise eine Rechtfertigung der gezielten Gewalt gegen Zivilpersonen. Sie bedeutet jedoch, anzuerkennen, dass eine lang andauernde Besatzung und das Fehlen einer glaubwürdigen politischen Perspektive Bedingungen schaffen, unter denen Widerstand entsteht. Dieser Widerstand kann gewaltsame Formen annehmen, wie es im Verlauf dieses Konflikts immer wieder auf tragische Weise geschehen ist.
Die politischen und historischen Ursachen solcher Gewalt zu verstehen, ist nicht gleichbedeutend mit der Legitimation jeder Handlung, die in ihrem Namen begangen wird. Diese Unterscheidung ist von zentraler Bedeutung: Widerstand kann die vorsätzliche Tötung von Zivilpersonen nicht rechtfertigen. Ebenso wenig können die Sicherheitsinteressen der einen Seite Verletzungen der grundlegenden Rechte der anderen Seite rechtfertigen.
Die israelische Regierung hat auf die Angriffe vom 7. Oktober mit einer militärischen Kampagne und politischen Maßnahmen reagiert, die der palästinensischen Zivilbevölkerung immenses Leid zugefügt haben. Ungeachtet der legitimen Sicherheitsinteressen Israels ist das Recht auf Selbstverteidigung nicht grenzenlos. Es muss im Einklang mit dem humanitären Völkerrecht ausgeübt werden. Das Ausmaß und die Art der Kriegsführung haben daher erhebliche Fragen hinsichtlich möglicher Verstöße gegen das Völkerrecht aufgeworfen, einschließlich des Verdachts auf Kriegsverbrechen. Diese Bedenken werden durch die Entwicklungen im Westjordanland zusätzlich verstärkt, insbesondere durch den Ausbau von Siedlungen, Enteignungen sowie politische Maßnahmen und Handlungen, die zur Vertreibung von Palästinenserinnen und Palästinensern beitragen.
Angesichts dieser Realität müssen wir Empathie und Mitgefühl für alle Menschen bewahren, die von Krieg, Terrorismus und politischer Gewalt betroffen sind – unabhängig von ihrer Nationalität, Religion oder politischen Zugehörigkeit. Das Leid und der Verlust israelischer wie palästinensischer Zivilistinnen und Zivilisten verdienen gleichermaßen Anerkennung, Würde und Mitgefühl. Menschliches Leid darf nicht hierarchisiert werden.
Im Bewusstsein seiner eigenen Geschichte und Verantwortung – vom Kolonialismus bis zum Holocaust – muss Europa eine klare und prinzipienfeste Haltung gegen Terrorismus, Antisemitismus, Verfolgung, Besatzung, Zwangsvertreibung und die Verweigerung grundlegender Menschenrechte einnehmen. Europa muss das Recht von Jüdinnen und Juden, in Sicherheit und Würde zu leben, uneingeschränkt verteidigen und sich überall und entschieden gegen Antisemitismus stellen. Zugleich muss Europa weiterhin den Staat Israel und sein Recht auf ein Leben in Sicherheit anerkennen. Ebenso muss jedoch anerkannt werden, dass dauerhafte Sicherheit nicht allein durch militärische Stärke gewährleistet werden kann.
Gleichermaßen muss Europa das Recht des palästinensischen Volkes auf ein Leben in Sicherheit, Würde und Freiheit sowie auf die Ausübung seines Rechts auf Selbstbestimmung entschlossen verteidigen. Diese Grundsätze sind nicht als Gegensätze zu verstehen. Für Europa darf es kein Entweder-oder geben: Die Sicherheit, Freiheit und Menschenrechte von Israelis und Palästinensern müssen gemeinsam und gleichermaßen bekräftigt werden. Das nach dem Zweiten Weltkrieg formulierte „Nie wieder“ muss als universelle Verpflichtung verstanden werden – als Verpflichtung gegenüber allen Menschen, ohne Ausnahme.
Eine friedliche und nachhaltige Zukunft für den Nahen Osten setzt ein Ende der Gewalt, der Besatzung und der Verweigerung grundlegender Rechte voraus. Sie erfordert die uneingeschränkte Achtung, Anerkennung und den Schutz der Menschenrechte sowie des Völkerrechts für alle. Sie erfordert politische Lösungen, die den legitimen Sicherheitsinteressen und politischen Anliegen beider Völker Rechnung tragen, ebenso wie die ernsthafte Bereitschaft, sich auf einen ehrlichen und substanziellen politischen Dialog und Verhandlungen einzulassen. Das übergeordnete Ziel muss darin bestehen, Israelis und Palästinensern gleichermaßen ein Leben in Freiheit, Würde und Sicherheit und eine sichere Heimat zu ermöglichen.
Eine derart klare und wertebasierte Position sollte nicht nur die Entscheidungen und das Handeln öffentlicher Institutionen leiten, sondern auch die akademische Forschung und den öffentlichen Diskurs prägen. Politisches und emotionales Engagement sind legitim und notwendig. Sie müssen jedoch in der Achtung der Menschenrechte, des Völkerrechts und der Würde jedes einzelnen Menschen verankert bleiben. Insbesondere Institutionen wie das IIP tragen die Verantwortung, Raum für eine kritische, evidenzbasierte und offene Debatte zu bewahren. Dies schließt ausdrücklich die Auseinandersetzung mit den historischen und politischen Ursachen von Gewalt ein. Zugleich müssen Hass, Entmenschlichung und die gezielte Tötung von Zivilpersonen entschieden zurückgewiesen werden.
Das IIP bekennt sich zu diesen Grundsätzen und Werten und wird seine Arbeit konsequent an ihnen ausrichten.
