Warum Wien wieder zum Verhandlungsort werden könnte

Für viele Beobachter war es überraschend, dass Österreich gemeinsam mit Griechenland von der Zeitung "Iran International" als Vermittler im Konflikt zwischen den USA und dem Iran ins Spiel gebracht wurde. Manche sehen den Grund im Besuch der österreichischen Außenministerin Beate Meinl-Reisinger beim US-Außenminister Marco Rubio am 11. August dieses Jahres. Das Verhandlungsgeschick der österreichischen Ministerin soll keineswegs gering geschätzt werden, aber Wien als künftiger Verhandlungsort war schon viel früher im Gespräch.

Informationen darüber sickerten schon Anfang April 2026 durch, was bei einer Veranstaltung des Internationalen Instituts für den Frieden (IIP) bereits am 14. April angesprochen wurde. Eine Rolle gespielt haben dürfte, dass die Verhandlungen in Genf und Islamabad verbunden waren mit den gleichzeitigen Angriffen Israels und den USA auf den Iran im Juni 2025 und im Februar 2026. Diese Erinnerungen sollen nicht ein neues Treffen belasten.

Organisator und nicht Vermittler

Damit ist Österreichs mögliche Rolle auch beschrieben: Organisator und nicht Vermittler. Katar, Oman und Pakistan haben als Überbringer von Botschaften schon wichtige Aufgaben geleistet. In den letzten Jahren haben Oman und Katar mehr Erfahrungen als Vermittler gemacht als Österreich. Damit soll Wiens diplomatische Wichtigkeit für die USA und den Iran nicht unterschätzt werden. Österreichs neutraler Status erleichterte schon die Entscheidungen, die Verhandlungen über Irans Nuklearprogramm 2015 (JCPOA) und 2021 in Wien durchzuführen. Die Gespräche 2015 wurden erfolgreich abgeschlossen, die USA verließen das Abkommen aber 2018 einseitig wieder.

Obwohl es etwa 80-prozentiger Übereinstimmung bei den Verhandlungen 2021–2022 gab, brachten sie kein Ergebnis. Nichtsdestoweniger erwies sich Wien als hervorragender Gastgeber. Die Arbeit der österreichischen Botschaften in Teheran und die Aufrechterhaltung der Kontakte haben wesentlich zum guten Ruf Österreichs beigetragen. Schon 2015 bestand Teheran darauf, Wien und nicht Genf als Verhandlungsort zu wählen. Dazu kommt der Sitz der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) in Wien, der die technische Kommunikation mit den Verhandlungsteams erleichtern würde.

Vorteile gegenüber den E-3

Österreich und Griechenland, obwohl beide Staaten Mitglieder der EU sind, werden nicht, wie die E-3, Deutschland, Großbritannien und Frankreich, direkt mit dem endgültigen Scheitern des JCPOA in Verbindung gebracht. Aus Sicht Teherans haben die E-3 ihre bilateralen Beziehungen mit dem Iran der Druckpolitik Washingtons untergeordnet und 2025 auch die Verhängung der multilateralen Sanktionen gegen den Iran in den Vereinten Nationen (snap-back) vorangetrieben.

Zudem haben Österreich und Griechenland etwas mehr Distanz zu den bisher involvierten Vermittlern Pakistan und Türkei, die kürzlich ein Bündnis mit Saudi-Arabien abschlossen, das als vorsichtiges Abrücken von Washington interpretiert werden kann. Griechenlands Erfahrung mit der Schifffahrt im Mittelmeer, was von einigen Medien als Grund angesehen wird, dürften eine geringere Rolle gespielt haben. Diese Erfahrung haben viele andere Staaten auch und die Betroffenheit geht weit über einzelne Staaten hinaus.

Gutes Zeichen für Diplomatie und Europa

Insgesamt ist die Erwähnung von Österreich und Griechenland für die Diplomatie ein ermunterndes Zeichen. Sie ist kein diplomatischer Durchbruch, sondern der Hinweis auf den Versuch, Gespräche aufrechtzuerhalten. Es ist auch wichtig zu vermerken, dass Europa zurück am Verhandlungstisch ist. (Heinz Gärtner, 27.8.2026)

Heinz Gärtner unterrichtet an der Universitäten Wien. Er war Direktor des Österreichischen Instituts für Internationale Politik. Er leitet den Beirat des International Institute for Peace (IIP). Er hatte mehrere internationale Forschungsaufenthalte und Gastprofessuren unter anderem an den Universitäten von Stanford, Oxford, an Johns Hopkins in Washington und in Deutschland. Er publizierte zahlreiche Bücher und Artikel zu Fragen der USA, internationaler Sicherheit, Abrüstung und Rüstungskontrolle. Unter anderem ist er Herausgeber des Buches "Engaged Neutrality" (Lexington).